Was das Ariba-Netzwerk leisten wird

Zwei Jahre nach dem Kauf von Ariba integrierte SAP im Ausgabenanalyse-Tool „Ariba Spend Visibility“ die ersten SAP-HANA-Funktionalitäten. Jetzt gibt Rolf Weiland, Vice President Solution Strategy bei SAP, erstmals Details darüber bekannt, was das Ariba-Netzwerk im Zusammenwirken mit SAP HANA leisten kann.

Seit vier Monaten hat SAP für das Ausgabenanalyse-Tool von Ariba die Datenbank SAP HANA im Einsatz. Seitdem ist nicht nur die Geschwindigkeit der Abfragen schneller und die Performance insgesamt besser. Besonders die Simulationen sind es, die nach Ansicht des Spezialisten für Einkaufslösungen, Rolf Weiland, dem Kunden einen entscheidenden Mehrwert bringen. Mit Hilfe der „What-if“-Analyse von „Ariba Spend Visibility“ können Kunden etwa prognostizieren, welche Auswirkungen ein fallender Bedarf auf das Lieferantennetz oder verwandte Artikel hätte. Seit SAP HANA als Datenbank für die Software im Einsatz ist, lässt sich diese Analyse bewerkstelligen. Noch bis Ende dieses Jahres will SAP neue Funktionalitäten auch für das Ariba-Netzwerk anbieten.

„Erstmals wird es dem Kunden möglich sein, transaktionale Daten auszuwerten“, sagt Rolf Weiland, Vice President Solution Strategy bei SAP. Bild: SAP

„Erstmals wird es dem Kunden möglich sein, transaktionale Daten auszuwerten“, sagt Rolf Weiland, Vice President Solution Strategy bei SAP. Bild: SAP

Herr Weiland, was wird neu sein am Ariba-Netzwerk?

Erstmals wird es dem Kunden möglich sein, transaktionale Daten auszuwerten. Er wird in der Lage sein, seinen eigenen Report mit denen der Wettbewerber im Netzwerk zu vergleichen. Durch einen Abgleich mit Wettbewerbern weiß er zudem, welche Produkte gerade besonders gesucht sind und welche nicht. Zudem kann er dort Indizien für Störungen in der Lieferkette finden.

Bei einem Netzwerk von derzeit 1,5 Millionen Handelspartnern, die pro Jahr mehr als 500 Milliarden Euro umsetzen, entsteht eine ziemliche Schwungmasse …

Das stimmt. Allerdings werden wir zusätzlich noch Zugang zu anderen Datenquellen schaffen. So werden Kunden beispielsweise die Lieferanten-Ratings von Dun & Bradstreet als ‚neutrale externe Quelle’ zusätzlich mit einbinden können. Bei einem potenziellen neuen Lieferanten lässt sich hier zusätzlich eine Auskunft einholen, wie riskant die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten ist. Gerade für Großkunden ist das ein wichtiger Service.

Großunternehmen legen immer mehr Wert auf die Nachhaltigkeit in Hinsicht auf den ökologischen Fußabdruck oder aber sozialen Aktivitäten. Von Lieferanten fordern sie einen ähnlich hohen Standard ein. Lässt sich das überprüfen?

Ja, wir wissen beispielsweise von AkzoNobel, dass sich der Chemiekonzern unabdingbar an Nachhaltigkeitszielen misst. Sollte hier ein Lieferant etwa in die Schlagzeilen geraten, weil er giftige Abwässer in die Flüsse leitet, schädigt das den Ruf des Auftraggebers. Hierfür haben wir übrigens ein Warnsystem eingebaut: Ein „Listener“ im Internet hört ganz genau hin, was im Nachrichtenstrom der Weltpresse und auch in Tweets und Posts passiert und meldet das dem Unternehmen, sobald es seine Lieferkette betrifft. Ist beispielsweise ein Werk eines Zulieferers durch eine Naturkatastrophe betroffen und handelt es sich um ein beträchtliches Geschäftsvolumen, verstreicht weniger Zeit als bisher. Das sind kostbare Stunden oder Tage, in denen schon ein alternativer Lieferant gefunden sein kann.

Grafik: SAP

Sollte ein Risiko in der Lieferkette bestehen, informiert ein “Listener” über die potenziellen Risiken. Grafik: SAP

Auch hier gibt es externe Quellen, die helfen, herauszufinden, ob die Nachhaltigkeit, die auf der Webseite groß geschrieben ist, auch wirklich gelebt wird …

Ja, wir wollen Kunden die Option anbieten, externe Quellen wie etwa von Achilles oder EcoVadis anzubinden.

Das besondere Plus für das Ariba-Netzwerk der Zukunft liegt in der Chance, sich mit den Wettbewerbern vergleichen zu können, also einen Benchmark einholen zu können. Können Sie Beispiele nennen?

Gerne. Nehmen Sie den Bereich Personaldienstleistungen. Ein Möbelunternehmen sucht für einen anstehenden Großauftrag Packer in der Umgebung. Über das Netzwerk erfährt er, welcher Stundenlohn im Markt derzeit gängig ist und auch, wie lange es voraussichtlich dauern wird, bis die ausgeschriebenen Stellen besetzt sind. Auch für hochspezialisierte und -qualifizierte Fachkräfte aus dem SAP-Bereich lässt sich die „Onboarding-Zeit“ ganz gut abschätzen.

Ein Unternehmen hat ein Dutzend Lieferanten. Welche Informationen kann ihm das Ariba-Netzwerk bieten?

Über sämtliche Lieferanten bekomme ich Angaben über die Lieferzeiten, den Anteil der tatsächlichen gelieferten Bestellung, einen KPI für die Zuverlässigkeit sowie Reklamationen. Diese Angaben kann ich einerseits mit meinen eigenen, aber auch anderen Lieferanten im Netzwerk vergleichen. Zur optischen Darstellung der verschiedenen Kennzahlen ist es geplant, diese mit SAP Lumira grafisch darzustellen – also auf einen Blick etwa durch Bubbles, Kuchen etc..

Grafik: SAP

Über SAP Lumira ist es etwa möglich, KPIs anschaulich darzustellen – etwa die “Days of Sales Outstanding” im Vergleich. Grafik: SAP

Es ist angedacht, über alle Partner im Netzwerk darzustellen, wie es um die Zahlungsmoral steht. Wie hat man sich das vorzustellen?

Generell ist es möglich, die „Days of Sales Outstanding“ grafisch darzustellen, also zu zeigen, wie viele Tage in der Regel vergehen, bevor Rechnungen beglichen werden. Im Gesamtkontext zu den anderen „Netzwerkern“ bekomme ich wertvolle Aufschlüsse darüber, bei wem ich der Sache vielleicht mal näher auf den Grund gehen möchte. Ich kann etwa herausfinden, in welchem Land, bei welchen Lieferanten, in welchen Zeiträumen diese Verzögerungen entstehen. Noch sind unsere Darstellungen Mockups aus der derzeitigen Entwicklung – aber das wird sehr bald real werden.

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