Wie die Industry Cloud zu den Branchen kommt

Auf der SAPPHIRE NOW gab die SAP bekannt, ihre Branchenlösungen in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern aus 25 Branchen in die Cloud zu bringen. Simon Paris, Präsident der neuen Industry-Cloud-Organisation, erläutert, wie dieser Schritt der SAP-Cloud-Strategie umgesetzt werden soll.
Was hat die SAP zur Gründung der Organisation Industry Cloud bewogen?

Simon Paris: Die neue Cloud-Organisation hat bereits vor zweieinhalb Jahren ihren Ausgang genommen, als Bill McDermott und Robert Enslin mich mit dem Aufbau des sogenannten integrierten Organisationsmodells für das Bankwesen beauftragten. Wir hatten festgestellt, dass wir bessere Ergebnisse erzielen, wenn wir Vertrieb und Entwicklung in einer Organisation zusammenführen, ohne die Berichtslinien zu ändern.

Nach eineinhalb Jahren stand fest, dass dieses Konstrukt sehr gut funktionierte. Deshalb weiteten wir das Modell auf die Finanzdienstleistungsbranche aus. Die Ergebnisse waren gut, die Reaktionen der Mitarbeiter positiv, die Rückmeldungen der Kunden ausgezeichnet. Wir beschlossen daher, das Modell auf weitere Branchen zu übertragen. Den Anfang bildeten die so genannten strategischen Branchen, zu denen der Finanzdienstleistungssektor, der öffentliche Sektor einschließlich Gesundheitswesen, der Einzelhandel und die Telekommunikationsbranche zählen.

Parallel dazu haben wir die Entwicklung zum „Cloud-Unternehmen powered by SAP HANA“ vollzogen, was auch durch Übernahmen und organisches Wachstum unterstützt wurde. Wir stellen fest, dass der verstärkte Branchenfokus und der Trend zur Cloud immer mehr miteinander verschmelzen. So kam es schließlich zu dem Namen „Industry Cloud.“ Damit einher ging eine Rückbesinnung auf alle Branchen, die wir mit unseren Lösungen abdecken. Für diese Lösungen ist nun eine Organisation mit einem Leiter verantwortlich. Auf der SAPPHIRE NOW haben wir dann verkündet, dass wir das Modell auf drei Branchenkategorien übertragen möchten.

Welche drei Kategorien sind damit gemeint?

Zunächst einmal gibt es die strategischen Branchen, die für uns auch weiterhin eine hohe Bedeutung haben. In Erwartung überdurchschnittlicher Gewinne investieren wir hier auch überdurchschnittlich. Dann sind da unsere Schlüsselindustrien, die deshalb so wichtig für uns sind, weil wir in diesen Branchen den Großteil unserer Software- und Wartungsumsätze erwirtschaften und die Kunden folglich zu Recht mehr Innovationen speziell für diese Branchen erwarten.

In die dritte Kategorie gehören aufstrebende Branchen, die derzeit noch relativ klein sind, jedoch das Potenzial haben, in den nächsten drei bis fünf Jahren deutlich zuzulegen. Beispiele hierfür sind das Gesundheitswesen, die Sportindustrie sowie die Medien- und Unterhaltungsbranche. Auf diese Kategorien richten wir unsere Arbeit aus.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Organisation Industry Cloud?

Müsste man die Botschaft rund um das Thema Industry Cloud auf den Punkt bringen, so sind wir der einzige Anbieter, der Folgendes behaupten kann: Wir unterstützen jeden Geschäftsbereich, jede Branche, jedes Cloud-Modell – ob Public Cloud, Hybrid Cloud oder Managed Cloud – überall auf der Welt und sorgen für konsistente und kohärente Daten. Unsere Kunden profitieren von Integrationsmöglichkeiten und Sprachversionen für alle Länder, in denen wir vertreten sind. Gemeinsam mit unserem Netz aus Kunden und Partnern entwickeln wir laufend Innovationen.

Führt die strategische Ausrichtung auf die Cloud nicht dazu, dass wir unser Hauptgeschäft mit den On-Premise-Lösungen vernachlässigen?

Wir werden uns auch in Zukunft um das On-Premise-Geschäft kümmern. Viele Kunden werden weiter mit On-Premise-Systemen arbeiten wollen oder müssen. Das gilt insbesondere in stark regulierten Branchen oder in sehr konservativen Ländern. Im Bankwesen beispielsweise gibt es Länder, die von Seiten der Behörden gezwungen sind, direkte Kontrolle über die Kundendaten auszuüben. Oder es gibt direkte Vorgaben, dass die logischen und physischen Daten innerhalb des Landes gespeichert werden müssen. Entscheidend ist, dass wir sowohl für den On-Premise-Bereich als auch für die Cloud Lösungen anbieten. Und wir sind das einzige Unternehmen, das beides kann.

Die SAP möchte durch die gemeinsame Innovation mit Kunden und Partnern neue Branchenlösungen entwickeln. Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Gemeinsame Innovation bedeutet, dass wir nicht alle Softwarelösungen für die ganze Welt selbst entwickeln, sondern andere dabei unterstützen, auf Basis unserer Plattform Software zu entwickeln. Das können die Kunden selbst sein, aber auch ein Entwickler oder ein Partner. CSC entwickelt zum Beispiel gemeinsam mit uns Kernbankenfunktionen, die kleinen Banken über ein Cloud-Modell bereitgestellt werden. Das ist wirklich toll. Die Kunden und Partner sind unabhängig von uns, können jedoch im Rahmen der gemeinsamen Innovation mit uns Lösungen entwickeln. Das bedeutet, dass unsere zukünftige Software nicht ausschließlich auf unseren eigenen Ideen basiert, sondern dass wir diese Software in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunden entwickeln und validieren. Gemeinsam mit rund zwanzig Kunden aus dem Bereich Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten wir derzeit beispielsweise an der Entwicklung eines Studenteninformationssystems.

Welche Voraussetzungen muss ein Mitarbeiter der Organisation Industry Cloud erfüllen?

Uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter die Grundwerte des Unternehmens verkörpern und leben, also Erfolg, Professionalität, Verantwortung, Integrität, Teamarbeit und Vertrauen. Wir suchen Mitarbeiter, die ergebnisorientiert arbeiten. Der Erfolg eines Softwareunternehmens bemisst sich nicht an den Umsätzen, sondern an der Akzeptanz des Marktes. Es geht darum, den Kunden Standardsoftware zu bieten, die ihre branchenspezifischen Prozesse unterstützt. Das ist unser langfristiges Ziel.

 

Quelle: YouTube

 

Bildquelle: Shutterstock

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