SAP Innovation Days: Big Washroom Data, intelligente Weiche, Simple Finance

Das WC im Fußballstadion, das sich rechtzeitig meldet, bevor das WC-Papier aus ist, die Weiche im Hamburger Hafen, die Wetterdaten einbezieht und den Schmierstatus meldet, gerade einmal 500 Gigabyte Daten für den Finanzabschluss bei SAP: die Innovation Days der SAP in Frankfurt und einige neue Erkenntnisse.

SAP-CIO Ingrid-Helen Arnold konnte es selbst kaum glauben: Bis zu 12 Mal habe SAP in der Vergangenheit Daten kopiert, um sie etwa für analytische Anwendungen zu nutzen. Anderthalb Wochen habe es gedauert, bis Finanzdaten auf eine andere Währung umgerechnet wurden. Seit zwei Monaten ist alles anders: Simple Finance heißt das Schlüsselwort. Statt 7,1 Terabyte ist nun nur noch eine Datenmenge von 500 Gigabyte nötig, in Zukunft möglicherweise noch weniger. Die Speicherkapazität eines Smartphones würde bald schon ausreichen, um den Finanzabschluss eines Dax-Konzerns mit Milliardenumsatz zu bewerkstelligen. Ein weltweit einheitliches ERP seit vergangenem Jahr, eine vereinfachte Applikationsebene, das Ganze auf SAP-HANA-Basis: „Es gibt keine vordefinierten Strukturen mehr“, so CIO Arnold, „das ist sehr beeindruckend“.

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“Es gibt keine vordefinierten Strukturen mehr – das ist sehr beeindruckend”, sagt Ingrid-Helen Arnold, CIO von SAP. Foto: SAP

SAP Innovation Days: Was Hagleitner, Kaeser und der Hamburger Hafen sich von SAP HANA versprechen

Dass beispielsweise die Real-Time-Business-Plattform SAP HANA Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen kann, nie dagewesene Anwendungen möglich macht, und nicht „nur“ die hausinterne IT-Verantwortliche begeistert, sind die eigentlichen Botschaften der SAP Innovation Days in Frankfurt. Kein Thema zeigt besser als Predictive Maintenance, wie SAP HANA das Geschäft vereinfachen, beschleunigen und verbessern kann. Schon vorher zu wissen, wann Ersatzteile herangeschafft, Produkte nachbestellt oder das Gerät ausgetauscht werden muss, erspart Nutzern wie Service-Mitarbeitern eine Menge Ärger.

Beispiel Hagleitner: Das Hygieneunternehmen aus dem österreichischen Zell am See entwickelt den „digitalen Waschraum“. In den Toiletten an Flughäfen, in Krankenhäusern und Fußballstadien wimmelt es inzwischen von Sensoren, die messen, ob das WC-Papier zur Neige geht und der Seifenspender nachgefüllt oder Desinfektionsmittel für die Reinigungskräfte nachbestellt werden müssen. „Wir haben vorher WC-Papier verkauft, jetzt verkaufen wir Kompetenzen“, erläutert Managing Director Gernot Bernert, dessen Firma über 100 Patente allein für die Innovationen im Waschraum angemeldet hat. SAP HANA unterstützt Bernert in der Auswertung der „Big Washroom Data“, wie er die Unmengen an Toilettendaten inzwischen nennt.

„Den gesamten Verkehr im Hafen in Echtzeit zeigen“ Sebastian Saxe, CIO der HPA zum Ziel von smartPort Logistics

Beispiel Hamburger Hafen: Auf der Köhlbrandbrücke, die das Hamburger Umland mit dem Hafengelände verbindet, befinden sich Sensoren, die das Gewicht der LKW und die Frequenz des Verkehrs messen. An Baustellen stehen so genannte Smart Tags die zum einen Baustellen kennzeichnen, andererseits auch die CO2-Belastung registrieren. Zudem setzt der CIO der Hamburg Port Authority (HPA) Sebastian Saxe auf die intelligente Weiche, die über Sensoren misst, wann Schmiermittel nötig ist und zudem bei niedrigen Temperaturen automatisch die Weichenheizung aktiviert. „Unser Ziel ist es, den gesamten Verkehr im Hafen am MAC in Echtzeit zu zeigen“, so Saxe, derim Rahmen des Projektes smartPORT logistics für die Verarbeitung der Daten SAP HANA einsetzt.

Predictive Maintenance: 100 Messwerte gibt es beim Menschen, 50 bei einer Maschine

Um Maschinengesundheit geht es Falko Lameter vom Druckluftspezialisten Kaeser Kompressoren. „50 Messwerte gibt es bei unseren Maschinen“, erläutert der IT-Manager, „bei einem Menschen sind es etwa 100“. Bevor also das „Herz“ der im Full Service betriebenen Geräte Rhythmusschwierigkeiten bekommt, sind etwaige Abweichungen bereits erkannt worden und der Servicemitarbeiter ist mit dem Ersatzteil unterm Arm auf dem Weg zum Kunden. Den Kunden freut das, denn die Ausfallzeiten der Kompressoren sinken immer mehr. 100.000 Messwerte müssen Lameter und seine Mitarbeiter aus der IT täglich analysieren, 100 Terabyte täglich. Schon als SAP HANA aufkam, hatte Lameter eine Vorahnung: „SAP wird sich neu erfinden und neue Anwender haben“. Diverse Systeme hat Lameter bereits auf SAP HANA aufgesetzt, im September folgt SAP ERP powered by SAP HANA

„Software nutzen ohne Manuals“ (SAP-CIO Ingrid-Helen Arnold über User Experience)

SAP HANA ist nur eines der Innovationsthemen, die im Mittelpunkt der SAP Innovation Days standen: Neben den Themen Big Data und Echtzeit, die besonders auch für Predictive Maintenance von großer Bedeutung sind, geht es SAP besonders um die Vereinfachung von Systemen und eine intelligente User Experience: „Gerade einmal 12 Prozent der Felder in einer Business Software werden überhaupt genutzt“, weiß Christoph Behrendt, als Head of Suite und Industry Platform der „Chef der Plattformen“ bei SAP. Die Anwendungen SAP Fiori und SAP Screen Personas helfen schon heute, sich die Funktionen auf den Schirm zu holen, die persönlich interessant sind. „Etwa 350 Fiori-Anwendungen gibt es bereits“, so Behrendt, der zudem weiß, dass mit 50 Applikationen vier Fünftel aller Aktivitäten im Unternehmen getätigt werden. Die Konzentration auf das Wesentliche hat bereits Einzug gehalten. Im Fokus der Aktivitäten ist der Anwender, der nur nutzen soll, was ihm ganz persönlich hilft. Und das kann er weitgehend selbst bestimmen.

„Gerade einmal 12 Prozent der Felder in einer Business Software werden überhaupt genutzt“, weiß Christoph Behrendt, als Head of Suite und Industry Platform der „Chef der Plattformen“ bei SAP.

„Gerade einmal 12 Prozent der Felder in einer Business Software werden überhaupt genutzt“, weiß Christoph Behrendt, als Head of Suite und Industry Platform der „Chef der Plattformen“ bei SAP.

Die Vorstellung, dass sich auch ein Abteilungsleiter ohne IT-Know-how innerhalb kürzester Zeit seine „Zahlen“ auf den Schirm holen kann, ist neu und passt in die Zeit. „Simple Finance“ als Add-On zu SAP sorgt nach Erfahrung von Behrend für eine Kompression der Daten um den Faktor 20: „Das macht den Speicher frei für Analysen, etwa Vorhersagefunktionen für Logistik oder Service“, erläutert Behrendt weiter, und diese Anwendungen sollten möglichst einfach zu bedienen sein. „UX (*User Experience) verändert die DNA unserer Entwicklungsabteilung fundamental“, so Behrendt. Hier herrscht nun HTML 5 als Universalsprache für alle Geräte – und nicht mehr ABAP. Oder, um die Wirkung von HTML 5 in Ingrid-Helen Arnolds Worten auszudrücken: „Software nutzen ohne Manuals“. Eine Software also, die quasi selbsterklärend ist: Was will man mehr?

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