Ernst Sutter AG: IT für Feinschmecker

Mit der Eingliederung des größten Fleischproduzenten der Schweiz in die Genossenschaft muss auch die IT den neuen Strukturen angepasst werden. In einem Großprojekt stellt die AG ihre Betriebe auf eine Kombination aus SAP ERP und einer spezialisierten Branchenlösung um.

Für die Ernst Sutter AG ist Fleisch unter dem Motto „the fine art of meat“ mehr als eine Geschäfts-grundlage mit vielfältigen Produkten für Genießer. Die Firmengruppe ist eine Tochter des genossenschaftlich organisierten fenaco-Konzerns, der Landwirte mit Produktionsmitteln versorgt, deren Erzeugnisse veredelt und sie vermarktet. „Wir möchten unsere Marktposition in der Schweiz ausbauen und verstärkt in die europäischen Nachbarländer exportieren“, sagt Geschäftsführer Reto Sutter. Eine Strategie, die ein zuverlässiges Fundament braucht – und dazu ist auch eine entsprechende IT-Basis von zentraler Bedeutung.

Ein Traditionsbetrieb geht neue Wege

Mit der Übernahme durch fenaco veränderten sich die über Jahrzehnte bestehenden Strukturen der Ernst Sutter AG. Damit stand auch die IT auf dem Prüfstand. Nach einer umfassenden Analyse war klar, dass die bisherige Unternehmenslösung nicht den zukünftigen Anforderungen entsprach. Wichtige Funktionen fehlten und viele neue Prozesse ließen sich nicht integrieren. Zudem stand ein Release-Wechsel an – und damit Kosten in Millionenhöhe. Eine neue Software musste eingeführt werden. Mit der neuen IT wollte die Ernst Sutter AG durchgängige Prozesse in allen Betrieben und Ausliefer-Depots gestalten und das gesamte Geschäft straffen. Bislang setzten die Werke teilweise standortspezifische Lösungen ein. Künftig sollten gruppenweite Standards die Abläufe von der Verarbeitung über die Verpackung bis hin zum Verkauf beschleunigen.

„From the pork to the fork“

In intensiven Vergleichstests prüften die Verantwortlichen gleich eine ganze Reihe von ERP-Lösungen nach bewährten Methoden. Nur eine Lösung erfüllte alle Anforderungen der Ernst Sutter AG: die Kombination aus SAP ERP und der Branchensoftware Meat Management von SAP Partner Softproviding. „Ganz entscheidend war für uns die Chargenrückverfolgung“, sagt Walter Auer. Die EU-Norm 178 verpflichtet Lebensmittelanbieter, den vollständigen Weg jedes Produkts zu dokumentieren – „from the pork to the fork“. Die durchgängig integrierte SAP Lösung protokolliert jede Station automatisch, inklusive Anlieferung der Tiere, Verarbeitung und Vertrieb. Auditoren können die Lebensläufe so jederzeit prüfen und auch Mitarbeiter erkennen schnell, wenn ein Prozess einmal nicht wie gewünscht abläuft.

Ein Erfolgsrezept

„Eine SAP-Einführung ist ein Business-Projekt und kein IT-Projekt“, sagt Walter Auer. Bei der Ernst Sutter AG sollten neben den sieben Produktionsbetrieben auch die drei Ausliefer-Depots integriert werden, deren Tagesgeschäft und Organisation sich deutlich von der Fleischverarbeitung der übrigen Betriebe unterscheiden. Die Werke sind personell gut ausgestattet und die industrielle Produktion läuft strukturiert ab. Die Ausliefer-Depots hingegen müssen vor allem flexibel sein und etwa kurzfristige Bestellungen schnell mit einer begrenzten Personenzahl bearbeiten können. Wie lassen sich diese Anforderungen unter einen Hut bringen? Projektleiter Auer bezog dazu neben externen Beratern von den SAP-Partnern Softproviding und Plaut auch Kollegen aus jedem Unternehmen der
Ernst Sutter AG in das Projekt ein. Besonders wichtig war ihm das Change-Management. Im Gegensatz zur alten Software bearbeitet die SAP-Lösung die Prozesse in stringenter Form. Eine Rechnung lässt sich beispielsweise nur dann erstellen, wenn die Angaben vollständig sind. „Wenn Sie über Jahre eingespielte Prozesse haben, müssen sie erst einmal umdenken“, beschreibt Auer die Ausgangssituation. „Wir vom Projektteam kennen die Änderungen schon vor der Implementierung. Die Prozesse werden sicherer, effizienter und genauer. Die Mitarbeiter spüren das aber erst hinterher.“ Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt ließen sich zum Großteil auf die anderen Betriebe übertragen. „Das hat uns viel Zeit gespart und das Ausfallrisiko minimiert. Gerade im Frischegeschäft müssen wir schließlich jederzeit ohne Unterbruch der Kühlkette lieferfähig sein“, erklärt Auer.

Nur die besten Zutaten

Heute verfügt die Ernst Sutter AG über einheitliche Prozesse in allen Gesellschaften. Durch Zentralisierung im Finanzwesen und Controlling lassen sich Finanzdaten deutlich schneller konsolidieren. „Jetzt haben wir alle Daten in einem System auf einer einheitlichen Datenbasis. So erstellen wir beispielsweise Abschlüsse viel einfacher und die Ergebnisse sind immer zuverlässig und per Knopfdruck im Detail über Kalkulation und Logistik nachvollziehbar“, sagt Walter Auer. Die Branchenlösung Meat Management ergänzt das ERP-System um spezielle Funktionen für die fleischverarbeitende Industrie. Ein Beispiel ist die umgekehrte Stückliste. Im Gegensatz zu Fertigungsbetrieben werden Produkte in dieser Branche nicht aus Einzelteilen zusammengesetzt. Stattdessen entstehen aus einem Tier viele verschiedene Produkte. Ein Prozess, der dank der hohen Integration direkt im SAP-System nachvollzogen werden kann. Auch der Shopfloor ist vollständig integriert. Hunderte Etikettendrucker, Waagen, Preisauszeichnungslinien und Handscanner sind ebenso mit der zentralen Software verbunden wie mehrere Hochregallager und die automatische Zerlegeanlage im neuen Werk Bazenheid.

Schlanke Prozesse für das Frischegeschäft

„Unser Geschäft läuft einfach schneller“, bringt es Walter Auer auf den Punkt. Beispiel Umlagerungen: Jedes Werk der Ernst Sutter AG ist auf bestimmte Produkte spezialisiert, die Auslieferung erfolgt teils direkt von dort, die Produktion in einem anderen Werk sowie teils von den Ausliefer-Depots aus. Es herrscht also reger Verkehr zwischen den Niederlassungen. Die Intercompany-Prozesse werden jetzt zentral gesteuert statt mit mehreren Insellösungen. Die IT ist schlanker geworden, die Prozesse einfacher. Das Vertrauen ihrer Kunden lag der Ernst Sutter AG schon immer besonders am Herzen. Deshalb suchen die Entscheider fortlaufend nach neuen Methoden, das Qualitätsmanagement weiter zu optimieren. Auch dabei hilft die neue Lösung: Sie stellt beispielsweise sicher, dass Kuh, Schwein und Co. bei der Anlieferung genauestens untersucht werden – und kein Detail übersehen wird. Fehlt ein Testergebnis, stoppt das System die weitere Verarbeitung automatisch. Verkürzte Durchlaufzeiten, höhere Kapazität: Mit SAP ERP und dem Add-on Meat Management ist die Ernst Sutter AG auch auf steigende Anforderungen bestens vorbereitet. Und noch etwas ist Auer wichtig: „Beide Lösungen werden ständig weiterentwickelt. Unsere Investition ist so langfristig gesichert. Die Zukunft kann kommen!“

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