„Innovationen kommen künftig aus China“

Bill McDermott nennt China bereits die zweite Heimat der SAP. Mark Gibbs, Präsident von SAP Greater China, erklärt im Video-Interview warum und spricht über Big Data für Megafirmen sowie die rasante Entwicklung des Cloud-Marktes.

Der Präsident von SAP Greater China (China, Hongkong, Taiwan und Macau) machte bei seinem Besuch vor kurzem in der Walldorfer Zentrale einen entspannten Eindruck. Kein Wunder, angesichts zweistelliger Wachstumsrate in der Region, die auch die Hoffnung nährt, dass der China-Wachstumsplan der SAP aufgeht.

Unter dem Namen „China Growth Plan“ Ende 2011 angekündigt, sollen im Rahmen der Initiative bis einschließlich 2015 rund zwei Milliarden US-Dollar in den chinesischen Markt fließen. Der Ausbau der dortigen SAP-Aktivitäten erfolgt dabei entlang der Schwerpunkte Go to Market, Awareness, Innovation, End-to-End Solutions sowie Ecosystem.

Inzwischen nennt SAP-Vorstandssprecher Bill McDermott China schon „die zweite Heimat der SAP, in der sich das Unternehmen als Innovationspartner etabliert hat.“
„Die Investitionen in China beginnen sich jetzt auszuzahlen“, erläutert Mark Gibbs. Dazu wurde massiv weiteres Personal eingestellt, und nächstes Jahr soll das neue SAP-China-Hauptquartier in Peking eröffnet werden.

Big Data für Mega-Firmen

„Große Möglichkeiten eröffnen sich im Bereich Big Data“, berichtet Gibbs, da man auf Firmenimperien treffe, die bis zu einer Million Mitarbeiter beschäftigten – ein für die SAP noch nie da gewesenes Potenzial an Anwendern. Damit einher gehe allerdings die Anforderung, SAP-Lösungen in diesem Ausmaß auch skalieren zu können.

In allen Branchen konzentriere man sich zunächst auf so genannte Lighthouse-Kunden, mit denen man Best Practices entwickle, die sich dann übertragen ließen. „Im Automobilsektor, bei Versor-gungsunternehmen sowie im Finanzbereich sind wir hier schon sehr erfolgreich“, so Gibbs. Zu diesen Vorzeigeunternehmen gehörten beispielsweise die China Minsheng Bank, der Autohändler China Grand Auto sowie weitere renommierte Konzerne.

One Service startet in China

Hier soll „One Service“ helfen – ein Angebot, das von SAP-Supportchef Uwe Hommel, der in Peking lebt, entwickelt wurde. Unter diesem Schlagwort bündelt die SAP ihre Support- und Consulting-Leistungen für große chinesische Unternehmen. „Die erkennen, dass wir damit Mehrwert generie-ren“, sagt Gibbs. „One Service ermöglicht uns, eine viel engere Beziehung zu unseren Kunden aufzubauen.“ Seiner Ansicht nach habe dieses Pilot-Modell das Zeug dazu, konzernweit ausgerollt zu werden.

Cloud und Mobile wachsen stark

Von der Cloud erwartet Gibbs ebenfalls Einiges. Über das mit der China-Telecom gegründete Joint Venture China Datacom will die SAP künftig öffentliche Cloud Services betreiben und wäre damit das erste internationale Unternehmen, das diese Dienstleistungen in China anbieten darf. Derzeit implementiert China Com Services SuccessFactors-Lösungen als Basis für HR-Services in der Wolke. Gibbs geht davon aus, dass das Cloud-Geschäft vor allem in der zweiten Hälfte dieses Jahres anzieht.
Ein weiteres Wachstumsfeld für SAP ist der Mobilbereich. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Handys oder Smartphones und auch die Unternehmen sind dabei, ihren Mitarbeitern mobilen Zugriff auf Unternehmenslösungen zu geben.

Da rund 70 Prozent der SAP-Kunden in China zum SME-Segment gehören – immerhin sprechen wir hier von mehreren Hunderttausend Firmen – sieht Gibbs hier ebenfalls großes Potenzial: „Wir haben ein Team aufgebaut, das diese Firmen berät, daneben setzen wir auf unser Partnernetzwerk, um die Kunden mit ihrer Expertise bei der Einführung unserer Lösungen zu unterstützen.“

Verbindungsbüro in Walldorf

Mark Gibbs‘ Besuch in der SAP-Zentrale wurde vom Walldorfer China Liaison Office organisiert. Schwerpunkt der Arbeit des Büros ist die Unterstützung internationaler SAP-Kunden, die in China tätig sind, sowie von chinesischen SAP-Kunden, die international expandieren. „Nehmen Sie bei-spielsweise die Automobilbranche: Alle Hersteller haben Betriebe in China. Das Verbindungsbüro bringt diese Unternehmen zusammen, damit sie Erfahrungen austauschen können. Zudem fungiert es als zentraler Kontaktpunkt zwischen der SAP-Zentrale und den Standorten in China für alle China-relevanten Fragen und -Projekte.“ Geleitet wird das China Liaison Office von Andreas Hube, der viele Jahre in China in diversen SAP-Managementpositionen verbracht hat.

Innovationen kommen aus China

2014 wird ein spannendes Jahr. Im aktuellen Jahr des Pferdes ist Mark Gibbs das Zugpferd, hinter dem sich das Team von SAP Greater China neu sortiert hat. Wie er das als Ausländer in einer fremden Kultur hinbekommt? „Ich lebe in dieser Region seit über 12 Jahren“, bemerkt Gibbs dazu. „Meine Tochter Hanna wurde in Hongkong geboren.“ Natürlich lerne er jeden Tag dazu, doch der SAP-Manager glaubt inzwischen schon zu wissen, was die chinesische Kultur ausmacht und wieder der chinesische Markt tickt. „Firmen in China gehen immer langfristig vor“, meint Gibbs und erklärt: „Die Chinesen zeigen uns derzeit, wie schnell Innovationen die Welt verändern können. In den letzten zehn Jahren herrschte noch der Eindruck, dass China vom Rest der Welt lernt. Aber nun expandieren chinesische Unternehmen weltweit, sie entwickeln nicht nur neue Ideen in China für den lokalen, sondern auch für den globalen Markt.“ Gibbs nennt die Initiative „Connected Cars“ als Beispiel. Diese Idee stammt ursprünglich aus China, wird nun aber in China weiterentwickelt und in der Praxis erprobt.

 

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