Hauptversammlung stimmt Kurswechsel zu

Die SAP-Aktionäre stimmten für den Wechsel von Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat sowie die Umwandlung der AG in eine SE. Sie unterstützen den strategischen Kurs, sehen aber die Personalfluktuation an der Unternehmensspitze kritisch.

Rund 3.500 Aktionäre, Aktionärsvertreter sowie Gäste fanden den Weg in die Mannheimer SAP-Arena, um der Hauptversammlung der SAP AG beizuwohnen. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen in der Rhein-Neckar-Region wurde es während der Versammlung wenn überhaupt nur kurzzeitig hitzig. Grund dafür waren unter anderem die Themen Personalfluktuation im Vorstand sowie der angestrebte Wechsel Jim Hagemann Snabes in den ersten Aufsichtsrat der SAP SE ohne die übliche zweijährige Cooling-Off-Phase. Abgesehen davon war die Stimmung dank der positiven Zahlen der Gesellschaft gut.

„Wir liegen auf Kurs“

Vorstandssprecher Bill McDermott ging gleich zu Beginn seiner Rede auf die Mitarbeiter ein, die „mit ihrer harten Arbeit und ihrem großen Einsatz“ den Erfolg im Jahr 2013 ermöglicht hätten. Damit traf er auch den Nerv der Aktionärsvertreter, die später deutlich den großen Beitrag der Mitarbeiter hervorhoben.

In seinem Rückblick auf das Geschäftsjahr 2013 konnte McDermott ein positives Fazit ziehen. „Der Blick auf unsere Ergebnisse im Jahr 2013 zeigt, dass es ein sehr erfolgreiches Jahr mit profitablem Wachstum war.“ McDermott erläuterte, dass es sich als die richtige Strategie bewiesen habe, den Cloud-Markt in den Fokus zu nehmen. Dass dafür das ambitionierte Ziel der Marge von 35 % um zwei Jahre auf 2017 angepasst werden musste, traf auch bei den Aktionären auf Verständnis und wurde in der anschließendem Aussprache als vorausschauend angesehen. In den vergangenen vier Jahren konnte die SAP die Umsatzerlöse aus Software und Cloud-Subskriptionen um 93 %, die SSRS-Erlöse um 71 % und das Betriebsergebnis um 88 % steigern. Das Mitarbeiterengagement hat sich um 8 Prozentpunkte auf 77 % verbessert. Zum jetzigen Zeitpunkt nutzen 36 Millionen Menschen die Cloud-Lösungen der SAP, 1,5 Millionen Unternehmen handeln Waren und Dienstleistungen im Wert von über einer halben Billion US-Dollar über das Ariba-Netzwerk.

Auch SAP HANA erweise sich als Wachstumsmotor. SAP hat in den vergangenen drei Jahren rund 1,2 Milliarden Euro Softwareumsatz mit der HANA-Technologie erwirtschaftet. Allein 2013 stieg der Umsatz mit SAP HANA im Vergleich zum Vorjahr um 69 % auf währungsbereinigt 664 Millionen Euro. „Damit schreibt SAP HANA Geschichte als eines der am schnellsten wachsenden Produkte im Bereich Unternehmenssoftware“. Der Co-CEO erinnerte daran, dass das Kerngeschäft sehr solide und hochprofitabel sei. So konnte ein währungsbereinigter Anstieg der Softwareumsätze von 2 % verzeichnet werden. „Dies ist ein sehr wichtiges Ergebnis, denn es zeigt, dass wir in die Cloud expandieren und gleichzeitig Wachstum in unserem Software-Kerngeschäft erzielen können“, betonte McDermott mit Blick auf das klassische Geschäftsfeld der SAP.

Der Kurs könne nicht klarer sein, so McDermott. Oder um mit der Mannheimer Trainerlegende Sepp Herberger zu sprechen: „Der Ball ist rund.“ Und genauso klar und eindeutig müsse die Strategie der SAP für die Zukunft sein. Die Kunden der SAP wollen keine Komplexität mehr. Sie brauchen Lösungen, die einfach und schnell einzusetzen sind. Daher sei es das Ziel der SAP, ihren Kunden zu mehr Einfachheit und Wachstum zu verhelfen.

Dividende und Aktienkurs

Erfreuliche Nachricht für die Aktionäre: Sie partizipieren am profitablen Wachstum des Geschäftsjahres 2013. Der Vorschlag, eine Dividende von 1,00 Euro pro Aktie auszuschütten, wurde von der Hauptversammlung angenommen. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung um 18 %.

McDermott ging aber auch auf die Kursschwankungen im letzten Jahr ein. 2013 stieg der Kurs der SAP-Aktie um 2,7 %. Der DAX legte im gleichen Zeitraum um 25,5 % zu. Einer der Gründe hierfür: 2013 habe die SAP das Geschäftsmodell auf die Cloud umgestellt, und der Markt verinnerliche nun, was dieser Wechsel für die SAP bedeute.

Personalwechsel an der Konzernspitze

Neben diesen positiven Zahlen nutzte der Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner die Gelegenheit, sich bei dem aus persönlichen Gründen aus dem Unternehmen ausgeschiedenen Vorstand Vishal Sikka für seine „enorme Unterstützung und leidenschaftliches Engagement“ zu bedanken. Er habe hervorragende Pionierarbeit geleistet, um SAP intellektuell zu erneuern und voranzubringen.

Plattner begrüßte darüber hinaus die neuen Vorstände Robert Enslin (Vertrieb) und Bernd Leukert (Produkte und Innovationen) und wünschte ihnen viel Erfolg in ihrer neuen Position. Sowohl Robert Enslin als auch Bernd Leukert nutzten die Gelegenheit, sich den Aktionären vorzustellen.

Enslin bedankt sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. Bernd zeigte sich geehrt, künftig 20.000 „Weltklasse-Entwickler“ führen zu dürfen und verdeutlichte, dass die SAP sich gerade neu erfinde und im Umbruch befinde. Er betonte darüber hinaus, dass jeder Mitarbeiter persönlich zu dem Erfolg des Unternehmens beitrage.

Alle Redner bedankten sich ausdrücklich bei dem scheidenden Vorstandsmitglied Werner Brandt für sein langjähriges erfolgreiches Engagement im Unternehmen. Er stehe für „Kontinuität, Verlässlichkeit und Weitblick“. Besonders hervorgehoben wurde, dass Werner Brandt neben seinem Kernbereich Finanzen auch gleich mehrfach kommissarisch den Personalbereich verantwortete.

Außerdem nahm der Aufsichtsratsvorsitzende Stellung zu Gerüchten über eine ungebührliche Einflussnahme seiner Person auf die Unternehmensführung. „Ich bringe mich in das Tagesgeschäft der SAP nur als Berater ein. In meiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender bewege ich mich in dem Rahmen meiner damit verbundenen Rechte und Pflichten.“ Natürlich verfolge er den Kurs des Unternehmens sehr genau und nutze auch die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit Mitarbeitern, um ein Gefühl für die Stimmung im Unternehmen zu bekommen.

Zustimmung der Anteilseigner zum Kurs und kritische Nachfrage

Wie es elementarer Bestandteil jeder Hauptversammlung ist, gehörte ein Gutteil der Zeit der Aussprache zwischen Aktionären und Unternehmensleitung. Auch in diesem Jahr machten Aktionäre und Aktionärsvertreter davon Gebrauch. Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte nach, ob künftig ein Personalvorstand bestellt werden solle. Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach die jüngsten Veränderungen beim Spitzenpersonal der SAP an und hinterfragte die Gründe. Hans-Martin Buhlmann, Vorsitzender der Vereinigung Institutioneller Privatanleger, bedankte sich explizit für die Arbeit der SAP-Mitarbeiter und erkundigte sich nach der Nachfolgeplanung für den Aufsichtsratsvorsitz. Darüber hinaus interessierten sich die Aktionärsvertreter für die Cloud-Strategie der SAP, die Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit sowie den Frauenanteil im Vorstand und Aufsichtsrat. Außerdem wurde nach der Profitabilität der letzten Akquisitionen gefragt.

SAP HANA in der Praxis

Wie SAP HANA das Leben der Menschen schon heute verändert, zeigte eine Demo des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Dort haben Forscher und Ärzte jetzt die Möglichkeit, Daten aus der Krebsforschung und aus der Behandlung der Patienten zusammenhängend zu betrachten, wodurch sich beispielsweise Patientengruppen für neue Therapieformen identifizieren lassen. Dies kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn herkömmliche Therapieformen ausgereizt sind.

Ebenso innovative Wege geht der Deutsche Fußballbund mit SAP HANA. Per Videobotschaft verkündete SAP-Markenbotschafter Oliver Bierhoff, dass die neue Technologie schon bei der kommenden WM in Brasilien eingesetzt werde. Diese Vorlage nahm McDermott auf: Er sei vom Erfolg der SAP überzeugt und genauso viel Erfolg wünsche er der deutschen Mannschaft in Brasilien, besonders „im Vorrundenspiel gegen die US-Mannschaft“.

Kapitalmarkt vertraut SAP-Führung

Für europäische Analysten und Investoren nimmt die SAP einen Spitzenplatz im „2014 All-Europe Executive Team Ranking“ ein. Bei der jährlichen Umfrage des Institutional Investor Magazine landete SAP in der Rubrik „Technologie/Software“ viermal auf Platz eins: Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe wurden von den (institutionellen) Investoren („Buy-Side“) als beste Vorstandsvorsitzende gekürt, genauso wie Werner Brandt als bester Finanzchef. Auch die Abteilung Investor Relations und ihr Leiter Stefan Gruber landeten in der Bewertung der Investoren auf dem Spitzenplatz.

Insgesamt haben an der Umfrage rund 2.000 Portfolio-Manager, Investoren und Analysten teilgenommen. Stefan: „Die Auszeichnung ist Ausdruck des Vertrauens des Kapitalmarkts in das SAP-Management-Team.“

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bildquelle: SAP AG

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