6 Thesen zu Industrie 4.0

Foto: everythingpossible/ Fotolia.com

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Jeder zweite Experte ist sich sicher: Produktionsarbeiter werden Tablet, Smartphone und Co. im Produktionskontext immer mehr einsetzen. Über diese zusätzliche Vernetzung, so ist in der Studie „Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0“ des Forschungsinstituts Fraunhofer IAO zu lesen, werden Unternehmen in der Lage sein, „Mitarbeiter ganz anders einzusetzen und ganz anders miteinander zu vernetzen, um neue Arbeitstechniken entsprechend realisieren zu können“. In Sachen Social Media sind sich die 661 Unternehmen, die an der Studie teilnahmen, nicht so einig. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten gehen davon aus, dass die Nutzung von Social Media deutlich zunehmen wird.

Eins ist auf jeden Fall jetzt schon klar. Der Einsatz von so genannten Cyber-physischen Geräten wird die Arbeitswelt massiv verändern, unter anderem weil etwa die massenhaften “Nachkommen” der Smartphones und Tablets – die Business-Apps – sehr spezifische Aufgaben übernehmen können – und deshalb für den Produktionsprozess sehr sinnvoll sein können. Jene Vernetzung also zwischen Software und Mechanik ist hoch komplex und erfordert von den Mitarbeitern nicht nur traditionelles Ingenieurwissen, sondern auch die Affinität zur digitalen Welt. Maschinelle Extraktionen von Informationen aus unstrukturierten Daten, zielgenaue Suche in riesigen Datenmengen sowie auch die Zusammenführung diverser Sensordaten und der Umgang mit mobilen Geräten, die die Abläufe visualisieren, erfordern ein breites technisches Wissen.

Was Industrie 4.0 für die Arbeitswelt bedeuten kann

Die Frage ist nur, welche Mitarbeiter künftig in diesem Prozess gebraucht werden. Dazu ein paar Thesen:

These 1: Digital Natives definieren die Art zu arbeiten. Sie werden nicht verstehen, warum ein Unternehmen – auch ein Produktionsunternehmen – keine Smartphones einsetzt, um die Produktion zu steuern. Mit ihrer Affinität zu mobilen Geräten werden sie wie selbstverständlich auch andere Geräte steuern können. Diese neue Generation wird ältere Mitarbeiter an den Rand drängen, da sie es gewohnt ist, sich schnell auf neue Technologien einzustellen.

These 2: Industrie 4.0 wird die Mitarbeiter in einem Unternehmen zufriedener machen, denn sie können selbstverantwortlicher arbeiten als je zuvor. Informationen werden künftig auf Knopfdruck zur Verfügung stehen. Echtzeittechnologien sind die Voraussetzung dafür, dass Mitarbeiter sehr präzise in die Prozesse eingebunden werden können und immer auf dem aktuellsten Stand sind. Das schafft neue Freiräume für Kreativität, der bisher noch nicht dagewesen ist.

These 3: Industrie 4.0 wird dazu führen, dass Menschen höherqualifizierte Arbeit tun als jene, für die sie einstmals ausgebildet wurden. Entsprechend müssten die Mitarbeiter eigentlich besser und anders ausgebildet sein, als sie es bisher sind. Der Arbeitsmarkt liefert diese neue Generation von High Potentials allerdings nicht von der Stange. Daher ist es unerlässlich, dass Mitarbeiter schon beim Einstieg in den neuen Job darauf vorbereitet werden, dass sie ständig mitlernen müssen. Heute wird dieses Thema mit hochqualifizierten Ingenieuren diskutiert, morgen mit Fachpersonal und übermorgen mit allen anderen. Jeder muss für die komplexeren Aufgaben fit gemacht werden.

These 4: Um seine vielleicht überholten Fähigkeiten braucht sich der Mitarbeiter keine Gedanken zu machen. Denn die Technologie ist derart anpassungsfähig und intelligent, dass sie genau dann helfend zur Seite steht, sobald weitere Informationen vonnöten sind. Die Datenbrille Google Glass liefert ein gutes Beispiel dafür. Menschen greifen auf technische Hilfsmittel zurück, auch wenn sie nicht zur Generation Y oder Z gehören.

These 5: Durch die Alterspyramide bedingt werden die meisten Menschen länger arbeiten müssen. Durch „Fähigkeitsunterstützungen“ – eine neue Generation industrieller Assistenzsysteme im physischen wie im kognitiven Bereich – werden ältere Menschen auch komplexer werdende Aufgaben gut bewältigen können.

These 6: Industrie 4.0 wird dazu führen, dass kurzfristig ein Mehrbedarf an Fachkräften nötig wird. Diese werden größere Entscheidungsspielräume haben, zufriedener mit ihrer Arbeit sein und die Prozesse produktiver machen. Unabhängig davon, zu welcher Generation sie gehören.

So unterschiedlich die Thesen auch sind. In einem Punkt sind sich die Forscher einig: Die künstliche Intelligenz der Cyber-physischen Geräte wird die Alltagsintelligenz des Menschen niemals übertreffen. Assistieren ja, steuern nein.

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