Die Trends im IT-Outsourcing

Grafik: grasundsterne GmbH

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Über allem hängen die Wolken und sie verdichten sich immer mehr – das ist das wichtigste, was man momentan über die bestimmenden Entwicklungen im Markt für IT-Outsourcing wissen muss. Die Grenze zwischen klassischer Auslagerung und Dienstleistungen der Kategorie Cloud Computing scheint beinahe zu verschwimmen. Von „Cloudifizierung“ spricht man beispielsweise bei Pierre Audoin Consultants (PAC). Laut PAC-Consultant Karsten Leclerque hat dieser Trend in den vergangenen beiden Jahren die Kernveränderungen im internationalen und auch im europäischen Markt vorgeben. Und zwar gilt das beim IT-Outsourcing im Allgemeinen, bei den SAP-Services im Speziellen und auch in einem Teilsegment wie SAP-Hosting, das Leclerque derzeit für eine Studie über den deutschen Markt untersucht. „Die Kunden wollen offenbar diese Modelle“, sagt Leclerque.

Konkret sind mit dem Begriff der Cloudifizierung skalierbare Ressourcen und nutzungsabhängige Abrechnung gemeint. In einer höchst vielfältigen Anbieter- und Anwenderlandschaft geschieht das auf heterogene Weise in der Regel so, dass neben einem fixen Basisbetrag für Service-Leistungen auch flexible Preisbestandteile vereinbart werden. Boten vor zwei Jahren vor allem Technologieriesen wie HP, IBM oder T-Systems derartige Mischabrechnungen an, sei dies inzwischen Marktstandard geworden, so der PAC-Experte. Zur Cloudifizierung zählt laut Leclerque aber auch, dass Dienstleister neben ihren speziellen Services etwa im SAP-Hosting bei ihren Kunden auch mit Angeboten auf einem Marktplatz für Software-as-a-Service (SaaS) punkten wollen. Nebenan in der Cloud gibt es auch noch schöne und günstige Zusatzleistungen, lautet die Botschaft.

Outsourcing-Megadeals 15 Prozent unter Vorjahresniveau

Die Herausforderung für die Anwender besteht darin, bei all den Diensten unterschiedlichster Couleur für sich eine stimmige Vergleichbarkeit der anfallenden Kosten herzustellen. Ansonsten dürfen sie sich über seit Jahren tendenziell fallende Preise freuen – und das in einem Gesamtmarkt, der seit langem nicht überbordend, aber stetig wächst. Diesen verlässlichen, tendenziell langweiligen Wachstumspfad sollte man im Hinterkopf haben, wenn man Meldungen über die Marktentwicklung liest – denn diese zeichnen häufig ein sehr buntes und turbulentes Bild. So erweckten unlängst neue Zahlen des US-Beratungshauses Information Services Group (ISG) den Eindruck, der Outsourcing-Markt in Europa sei drastisch eingebrochen. Regelmäßig addiert ISG den jährlichen Vertragswert von Megadeals mit mindestens vier Millionen Euro an Volumen. In der Region EMEA lag dieser im ersten Halbjahr 2013 mit 3,4 Milliarden Euro 15 Prozent unter dem Vorjahresvergleichswert und damit so niedrig wie zuletzt im Krisenjahr 2009. ISG misst aber stets nur die Megadeals, und hier gibt es kurzfristig bisweilen extreme Ausschläge, die zufällig sein können.

In zeitlich gegenteiliger Perspektive weisen die Analysten von Gartner schon jetzt darauf hin, dass die mit digitalen Technologien aufgewachsene Generation Y auch das Outsourcing verändern wird. Langfristig sollten sich die Dienstleister darauf einstellen, das Erlebnis der End-User neben der Kundenzufriedenheit zur zweiten Säule beim Outsourcing zu machen. Jenseits dieser kurzlebigen und strategischen Aspekte beobachtet PAC alles in allem ein gesundes Wachstum. Ein in manchen Regionen noch vergleichsweise kleines und innovatives Teilsegment wie das SAP-Hosting lege dabei regelmäßig deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt, so Leclerque.

Laut Prognose aus dem Hause Gartner wächst der weltweite Markt für IT-Outsourcing in diesem Jahr um 2,8 Prozent – währungsbereinigt um 5,1 Prozent – auf ein Volumen von 288 Milliarden US-Dollar. „Die Einsatzpläne für neues IT-Outsourcing bleiben in allen Service-Line-Segmenten auf einem guten Weg“, kommentiert Gartner-Analyst Bryan Britz. Gleichwohl hat Gartner seine ursprüngliche Prognose etwas nach unten korrigiert, was mit weiterhin eingeschränkten IT-Budgets, den zum Teil unsicheren wirtschaftlichen Bedingungen und vor allem dem Trend zu cloud-basierten Delivery-Modellen begründet wird. Gartner klammert in seinen Zahlen SaaS konsequent aus der IT-Outsourcing-Beobachtung aus.

Rechenzentrums-Outsourcing im schleichenden Niedergang

Die Hinwendung der Großunternehmen zu hybriden IT-Strategien sowie die wachsende Nachfrage kleiner und mittlerer Firmen nach Infrastructure-as-a-Service (IaaS) treibe die Wachstumsraten im Cloud- und Data-Service-Segment; demgegenüber sei das Outsourcing von Rechenzentren im schleichenden Niedergang, weil immer mehr Workloads auf IaaS-Basis in die Cloud wandern. Der Trend hin zu Bring Your Own Device (BYOD) und der mit zunehmender Zahl an privaten Endgeräten einhergehende geringere Support-Aufwand für End-User-Geräte dämpfe die Outsourcing-Entwicklung in diesem Feld. Alles in allem registriert Gartner im asiatischen Raum nach wie vor zweistellige Zuwachsraten; in Nordamerika sei allgemein ein Trend zu Managed-Service-Vereinbarungen mit jährlicher Abrechnung mit dem Ziel einer besseren Kostenkalkulation zu verzeichnen.

PAC prognostiziert, dass die SAP-bezogenen Services bis 2017 im jährlichen Durchschnitt mit acht Prozent stärker wachsen als die IT-Services insgesamt mit ebenfalls gesunden fünf Prozent. In der SAP-Heimat Deutschland geht PAC im gleichen Zeitraum von einem Plus von fünf Prozent aus. Das unterstreiche die Reife und SAP-Durchdringung im deutschen Markt. Wachstumspotenzial gebe es auch dort, vor allem aber im internationalen Markt. Weltweit sind laut PAC 2012 mit IT-Services 578 Milliarden Euro umgesetzt worden, davon 235 Milliarden Euro mit Outsourcing. Auf SAP-bezogene Services entfielen davon 45 Milliarden Euro, die sich zu 59 Prozent auf Consulting und Systemintegration, zu 22 Prozent auf SAP Application Management und zu 19 Prozent auf SAP-Hosting verteilen.

PAC-Analyst Leclerque weist darauf hin, dass mit „Cloudifizierung“ des Outsourcings bis jetzt an die Cloud angelehnte Preis- und Skalierungsmodelle zu verstehen waren, die aus Anwendersicht manchmal mit besonders billigen Services aus der Public Cloud in eine Konkurrenzbeziehung gesetzt wurden. Mittlerweile sei Amazon Web Services (AWS) zum zertifizierten SAP-Partner aufgestiegen, der die eingeforderten Sicherheitsstandards erfüllt. Dienstleister haben damit also prinzipiell die Möglichkeit, Services auf Basis der AWS-Plattform in der Public Cloud zu entwickeln. Auch wenn sich in diesem Feld bisher laut PAC noch nicht sehr viel getan hat, könnte sich dadurch die Preisspirale in Zukunft weiter nach unten drehen lassen.

Vereinzeltes Insourcing kein Trend

Dass General Motors und Daimler in jüngster Zeit ihre einst ausgelagerten SAP-Services wieder in Eigenregie zu betreiben begannen, spiegelt nach Einschätzung von Leclerque keinen Trend wider. Beide Firmen seien vor einem guten Jahrzehnt volle Kraft voraus auf den IT-Zug aufgesprungen, hätten dann ebenso massiv ausgelagert und korrigierten dies nun offenbar zum Teil – auch vor dem Hintergrund, dass die für IT-Profis als besonders attraktiver Arbeitgeber geltende Automobilbranche ziemlich mühelos Top-Leute rekrutieren kann. Mehr als ein Branchenphänomen sei dies aber nicht. Auch im SAP-Umfeld sei insgesamt davon auszugehen, dass die Anwender – auch dank des Trends zur Standardisierung – in der Regel ihr Primärziel einer Kostensenkung zumeist mühelos erreichen, weshalb Qualitätsaspekte eine immer größere Rolle spielen.

Nach Marktgröße führen T-Systems, HP, Atos und IBM die PAC-Marktstudie zum SAP-Hosting in Deutschland an. Da im SAP-Heimatland aus der Schar der großen indischen Dienstleister bisher lediglich Wipro eigene Datacenter-Ressourcen besitzt, spielten die Offshoring-Riesen in diesem Segment bisher in Deutschland keine wesentliche Rolle, so Leclerque. Die indischen Provider hätten aber die Bedeutung kultureller Faktoren für ihr Geschäft mittlerweile verstanden; der fortlaufende Ausbau der Lokalisierung in Kontinentaleuropa durch muttersprachliche Ansprechpartner spreche dafür.

Fließende Grenzen zwischen Software-Anbietern und Service-Providern

Wie IDC vor einigen Monaten in einer Studie zum Umfeld der SAP-Implementierungspartner feststellte, gestalten sich auch hier die Grenzen zwischen Software-Anbietern und Service-Providern immer fließender. Das gelte umso mehr, seit SAP großen Systemintegratoren den direkten Software-Verkauf gestattet und die Anwender SAP-Services immer stärker in ihrer strategischen Dimension betrachten. „Best Practice ist es, wenn Systemintegratoren und SAP gemeinsam und reibungslos Lösungen liefern“, sagt IDC-Analyst Gard Little. Neue SAP-Technologien wie SAP HANA, mobile Lösungen und branchenspezifische Rapid-Deployment Solutions bringen nach IDC-Einschätzung neuen Schwung in dieses Geschäftsfeld. Ein Aspekt also, der den Trend zur Cloudifizierung ergänzt.

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