Mittelständler werden global

 Foto: © iceteastock - Fotolia.com

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Nach einer neuen Studie von Oxford Economics globalisiert sich auch der Mittelstand zusehends und nimmt es mit Wettbewerbern jeder Größe auf. Alte Klischees treffen nicht mehr zu.

Laut einer eben veröffentlichten Studie von Oxford Economics denken und handeln erfolgreiche, wachstumsstarke kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) international, konkurrieren verstärkt mit größeren Unternehmen und investieren viel in Informationstechnologie, um Abläufe zu verbessern und flexibler zu werden. An der von SAP finanzierten Studie „SMEs Equipped to Compete“ nahmen über 2.100 Mittelständler mit einem Jahresumsatz zwischen 20 und 750 Millionen USD teil. Unter den aus 21 Ländern stammenden Unternehmen waren die Branchen Einzelhandel, Konsumgüter, diskrete Fertigung, gehobene Dienstleistungen und Großhandel vertreten. Die Daten wurden mittels einer quantitativen Umfrage sowie in Interviews mit Führungskräften erhoben. Fazit der Studie ist, dass erfolgreiche KMU und große, multinationale Konzerne gleichermaßen mit zunehmender Globalisierung, hartem Wettbewerb, besser informierten Kunden in neuen Märkten und dem rasanten technischen Wandel konfrontiert sind.

Dieser Artikel ist der erste in einer zweiteiligen Reihe, die einen Überblick über die Ergebnisse der Studie gibt. Der zweite Artikel stellt die fünf wichtigsten Technologieinvestitionen vor, die in der Studie ermittelt wurden.

Mittelständler werden globaler

Die Mittelständler nannten die globale Expansion (34%) und die Erschließung neuer Märkte (33%) als ihre wichtigsten Vorhaben, gefolgt von der Expansion im Heimatmarkt (29%). Neue Märkte waren für 45% der Fertigungsunternehmen und für 40% der hochprofitablen Unternehmen besonders wichtig. Ein Drittel der befragten KMU erzielt mittlerweile mehr als zwanzig Prozent seiner Umsätze im internationalen Geschäft, und es wird erwartet, dass dieser Anteil innerhalb von nur drei Jahren auf nahezu 50% steigen wird. Entsprechend wird sich die Anzahl der KMU, die in mindestens sechs Ländern aktiv sind, von heute 16% auf 35% im Jahr 2016 erhöhen.

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Für Octo Technologies, ein französisches Beratungsunternehmen mit einem Jahresumsatz von 28,5 Millionen US-Dollar, erforderte das neue globale Denken eine kulturelle Umstellung. Bei der Expansion in französischsprachige Länder wie Marokko, die Schweiz und Belgien ließen sich Probleme noch relativ einfach lösen. Der Einstieg in den brasilianischen Markt 2010 brachte jedoch bisher unbekannte Herausforderungen mit sich. „Sobald ein Brasilianer im Team ist, beherrschen nicht mehr alle Französisch, also muss man auf Englisch kommunizieren – sonst bleibt der Brasilianer außen vor“, berichtet CEO Francois Hisquin. „Für eine französische Firma bedeutet das eine große Veränderung.“ Doch für Octo hat sich das Wagnis gelohnt, denn das Unternehmen konnte Aufträge in Brasilien akquirieren, während die Wirtschaft in Europa lahmt. Octo erzielt mittlerweile sechzehn Prozent seines Umsatzes im Ausland, und Hisquin glaubt, dass das Unternehmen sein Modell auch in andere Länder exportieren kann.

Fast zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen geben an, dass sie sich wandeln müssten, um sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten, und 50% sagen, dass die herkömmliche Art und Weise der Geschäftsabwicklung durch technische Entwicklungen obsolet werde. Bei 41% der befragten Unternehmen ist vornehmlich der CEO bzw. Inhaber für das Vorantreiben des Wandels zuständig, woran erkennbar ist, dass es sich dabei um ein Anliegen von unternehmensweiter Bedeutung handelt. Schwerpunkte des Wandels sind die Ausschöpfung von Wachstumschancen in expandierenden Märkten (41%), die Erschließung neuer Marktregionen (41%), die Schaffung einer Innovationskultur (34%) sowie die Investition in neue Technologien (26%). Im Hinblick auf die Erlöse sind die rentabelsten Akteure tendenziell in ihrer Transformation weiter fortgeschritten als weniger profitable Unternehmen.

IT schafft nötige Flexibilität

Deutlich mehr als die Hälfte der KMU gab an, dass die Informationstechnologie bei dem angestrebten Wandel eine zentrale Rolle spiele und sie planten, den IT-Einsatz in allen Bereichen in den nächsten drei Jahren zu intensivieren. Fast zwei Drittel glauben, dass die IT ihnen hilft, langfristig zu bestehen und ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Zudem bezeichnen sich mehr als ein Drittel der KMU selbst als Erstanwender neuer Technologien. Hisquin von der Firma Octo zum Beispiel sagt: „Wir gehören zu den französischen Pionieren in Sachen digitale Technik. Flexibilität ist entscheidend für unsere Geschäftstätigkeit.“

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Besonders wichtig sind für KMU IT-Lösungen, die für einen besseren Einblick in alle Unternehmensabläufe sorgen. An erster Stelle steht die Business-Management-Software (50%), gefolgt von Unternehmensanalysen (43%), mobiler IT (37%), sozialen Medien (36%) und Cloud-Computing (34%). Bei den kleineren Firmen stehen Unternehmensanalysen (52%) und Business-Management-Software (58%) im Vordergrund, während bei den größeren Unternehmen mobile IT (41%), soziale Medien (44%) und die Cloud (40%) von größerer Bedeutung sind. Auch aktuelle technische Entwicklungen finden Beachtung: Nur rund ein Drittel der KMU glaubt, dass Big Data für ihre geschäftliche Performance keine Rolle spiele.

Mittelständler werden “Nano-Multinationals”

Die Ergebnisse der Studie „SMEs Equipped to Compete“ widerlegen einige KMU-Stereotypen, und eine besonders augenfällige Erkenntnis könnte auch für Großunternehmen lehrreich sein. In seinem Blog für das Magazin Harvard Business Review schrieb Bright Simons kürzlich, dass KMU bestens dafür gerüstet seien, „Nano-Multinationals“ zu werden, indem sie bei ihrer Globalisierung auf IT-gestützte Netzwerke und lokale Partnerschaften in den jeweiligen Ländern setzten – ein großer Gegensatz zum Modell der Steuerung und Kontrolle, das die Großkonzerne bevorzugen. Eines ist sicher: Der Wandel ist eine bleibende Konstante für jedes Unternehmen, sei es klein oder groß.

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