IT-Business-Trends 2010

IT 2010: Mobil, intelligent und energieeffizient (Grafik: grasundsterne)

IT 2010: Mobil, intelligent und energieeffizient (Grafik: grasundsterne)

Smartphone-Apps mit Firmendaten-Zugriff, grafische Datenanalyse, energieeffiziente Rechenzentren, Enterprise Clouds und intelligente Stromnetze sind die wichtigsten Trends 2010.

Fast könnte man von der Omnipräsenz der Daten sprechen. Denn zukünftig arbeiten Mitarbeiter über das Internet zusammen an einem Projekt – in Form einer Tabelle, einer Präsentation oder einer Konstruktionszeichnung. Was beispielsweise der Kollege in Europa vorbereitet hat, kann in Übersee vollendet werden – in einem global agierenden Unternehmen. Auf fertige Dokumente oder Daten lässt sich sogar per Taschencomputer/Smartphone zugreifen, wahlweise beim Kunden vor Ort. Aufträge oder Änderungswünsche landen sofort im zentral abgelegten Datensatz, der sich beispielsweise in einer Cloud befindet. Was bis vor wenigen Jahren noch reine Fiktion war, hält nach und nach im Business-Alltag Einzug.

Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass sich das Internet verstärkt auf mobile Geräte verlagern wird und der ortsgebundene Desktop-Rechner weniger eine Rolle spielt. Das widerspiegeln auch eindeutig die Zahlen, die vom Marktforscher Gartner ermittelt wurden: 14 Prozent des gesamten Mobiltelefon-Segments entfallen bereits auf Smartphones, im Jahre 2013 soll der Anteil bei 38 Prozent liegen. Und was für Firmen wichtig ist: Der Zugang ins Internet erfolgt immer seltener ausschließlich über Portale, sondern über soziale Kontakte-Netzwerke wie Facebook und Twitter.

Pünktlich zum Jahresende veröffentlichen Marktforscher und Beratungsunternehmen wie Euromonitor, Gartner, iSupply, IDC und MDR Instat ihre Prognosen für 2010. Wir haben die aus unserer Sicht wichtigsten Trends aufgegriffen und wagen einen Ausblick ins neue Jahr. Im Segment der Business-IT sind insgesamt fünf Trends auszumachen:

Investitionen in Infrastruktur und Cloud Computing in Deutschland (Grafik: Bitkom)

Geschätzte Investitionen in Infrastruktur und Cloud Computing in Deutschland (Grafik: Bitkom)

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Trend 1: Enterprise Cloud Computing

Interne Clouds: Unternehmen bündeln Applikationen und Datenspeicher

Interne Clouds: Unternehmen bündeln Applikationen und Datenspeicher

Kommen wir zum wichtigsten Trend: Enterprise-Cloud-Computing und Virtualisierung heißen die beiden Rezepte für die moderne Unternehmens-IT. Dabei bildet die in einigen Firmen schon eingeführte Virtualisierung quasi als Brücke zu Cloud Computing. Im konkreten Fall bedeutet die Virtualisierung, dass ein Arbeitsplatz-PC als virtueller Rechner auf einem Server in der Cloud gespeichert wird. Das Ziel besteht vor allem darin, die Hardware-Ressourcen zu bündeln und optimal auszunutzen.

Mittlerweile gibt es knapp 1000 Internet-Provider weltweit, die Cloud-Computing für Firmen anbieten. Dabei muss in interne und externe Clouds unterschieden werden: Bei einer „internen Cloud“ laufen virtuelle Maschinen im Rechenzentrum und der Zugriff erfolgt per Netzwerk über einfache Client-PCs. In diesem Fall muss das Rechenzentrum sicherstellen, dass ausreichend Hardware-Ressourcen für einen Dienst zur Verfügung stehen und bei Bedarf die Kapazitäten angepasst werden.

Bei einer „externen Cloud“ wird das virtuelle Rechenzentrum samt Rechenleistung von mehreren Servern gebildet, die auch geografisch voneinander entfernt liegen können. Die Vernetzung der Server untereinander erfolgt über das Internet. Mittlerweile gibt es weltweit circa 1000 Anbieter, die externe Clouds zur Miete anbieten – siehe auch Artikel Fort Knox lässt grüßen

Momentan ist es fraglich, ob Firmen ihre wertvollen Daten in eine Cloud hochladen, damit diese undefiniert im Internet verteilt lagern. Auch die Frage nach der Datensicherheit ist ebenso wenig geklärt wie die rechtlichen Datenschutzbestimmungen auf dem Territorium außerhalb der EU oder den USA. Weitere Informationen liefert der Artikel Baustelle Cloud Computing.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass internes Cloud-Computing vor allem bei größeren Firmen eingesetzt wird. Externe Clouds sind eher für kleinere Firmen interessant, die über keine eigene Infrastruktur und entsprechendes Personal verfügen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Trend 2 – Mobile Software

Trend 2: Mobile Software-Apps

Mobile Software-Anwendungen greifen auf Unternehmensdaten zu (Foto: Frank Völkel)

Trend 2: Mobile Software-Anwendungen greifen auf Unternehmensdaten zu (Foto: Frank Völkel)

Der Marktanteil an Taschencomputern für mobiles Internet, so genannten Smartphones, betrug im Jahr 2009 knapp 14 Prozent des gesamten Mobiltelefon-Segments. Schenkt man den Marktforschern von Gartner Glauben, so sollen es 2013 bereits 38 Prozent sein. Damit kann dann jedes dritte Mobiltelefon eine halbwegs brauchbare Internet-Darstellung liefern.

Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, komplexere Inhalte auf den höher aufgelösten Bildschirmen darzustellen: Grafik-Charts, Animationen von Prozessen, Abläufen und Office-Applikationen - siehe auch Artikel SAP TechEd: Datenanalyse auf iPhone.

Ob das per angepasster Website-Darstellung oder mit Hilfe einer kleinen Software-App läuft, ist sowohl vom Gerätetyp als auch von der Anwendung abhängig. Zumindest beim Platzhirsch Apple iPhone sind die kleinen Tools beinahe unüberschaubar im Angebot. Andere Hersteller wie Google, RIM, Samsung und Sony ziehen bereits nach oder sind auf dem Weg dahin.

Bisher hat das iPhone über seinen App-Store für die besten und zahlenmäßigen meisten Software-Distributionen gesorgt. Das hat allerdings gleichzeitig den Nachteil, dass die Programme für andere Smartphones nicht zur Verfügung stehen. Davon können eingefleischte BlackBerry-Nutzer – von denen es besonders im Business-Umfeld eine große Anhängerschar gibt – ein Lied singen.

Geht es nach dem Wunsch der Marktforscher, so sollten die Software-Apps sowohl auf dem mobilen Smartphone als auch auf dem stationären Desktop gleichfalls laufen. Das würde bedeuten, dass sich Unternehmen mit ihren Software-Plattformen strategisch neu ausrichten müssten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Trend 3- grafische Datenanalyse

Voll im Trend: Smartphones mit großem Touchscreen und guter Grafikdarstellung

Voll im Trend: Smartphones mit großem Touchscreen und guter Grafikdarstellung fürs Business

Trend 3: Grafische Datenanalyse

Trend 3: Grafiken und Charts aus unzähligen Daten erstellen

Trend 3: Grafiken und Charts aus unzähligen Daten erstellen

Die Situation ist in vielen Unternehmen bekannt: Immer größere Mengen an Daten fallen innerhalb eines Geschäftsprozesses an und werden in Datenbanken gespeichert. Damit fällt es den Mitarbeitern immer schwerer, den Überblick in einem bestimmten Zusammenhang zu wahren – siehe auch Artikel Verborgene Schätze: Grafik aus Daten.

Voll im Trend liegen so genannte Analyse-Tools und dazu konfigurierbare Modelle, die die Aussagefähigkeit bei Geschäftsentscheidungen erhöhen sollen. Anhand eines ausgewählten Datensatzes lassen sich verschiedene grafische Darstellungen, alternative Ergebnisse und Szenarien aufzeigen. Gegenüber den bisherigen Analyse-Modellen, die sich ausschließlich auf CRM- und ERP-Datensätze stützten,  soll sogar ein Blick in Zukunft möglich sein. Vorausgesetzt sie wird richtig interpretiert – siehe auch Artikel Datenbestände optimieren.

Bringt schnelle Ergebnisse: SAP BusinessObjects Explorer
Bringt schnelle Ergebnisse: SAP BusinessObjects Explorer

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Trend 4 – Energieeffiziente Rechenzentren

Trend 4: Energieeffiziente Rechenzentren

Aufteilung des Stromverbrauchs bei einem Server

Aufteilung des Stromverbrauchs bei einem Server

Die Zeiten, als Rechenzentren noch mit großen Raumkapazitäten und einem Zeithorizont von bis zu 15 Jahren geplant wurden, sind spätestens seit dem Anstieg der Energiepreise und der Wirtschaftsflaute vorüber. Heute geht es hauptsächlich um energieeffiziente Rechenzentren, die auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Rechenperformance bieten können. Unter dem energetischen Aspekt entfällt nur etwa die Hälfte des Energieverbrauchs auf die eigentlichen Server. Den übrigen Anteil verbrauchen die zusätzlich benötigte Klimatisierung, unterbrechungsfreie Stromversorgung und Infrastruktur – siehe auch Artikel 1 Watt Leistung – 0,3 Watt Kühlung.

Deshalb ist eine detaillierte Erfassung der Temperaturverteilung und deren Visualisierung von Vorteil. Somit können thermische Hot-Spots identifiziert und über spezielle Maßnahmen beseitigt werden. Die Temperaturverteilung im Rechenzentrum kann beispielsweise über die Regelung des Luftvolumenstroms optimiert werden: Unnötig niedrige Temperaturen und gefährlich hohe Temperaturen werden vermieden. Damit werden Kosten gespart und die Ausfallzeit/Verfügbarkeit verbessert.

Bei Servern rückt im Hardware-Bereich das Micro-Server-Segment stärker in den Fokus, indem eine höhere Integration der Prozessoren die Ausbeute an Performance pro Watt Leistungsaufnahme und Fläche verbessert. Hinzu kommt ein optimiertes Lastmanagement der modernen Mehrkern-Prozessoren, die bei Null-Last nahezu keinen Stromverbrauch mehr aufweisen. Rechenzentren sollten das Ziel verfolgen, IT- und Energiemanagement zusammenzuführen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Trend 5 – Intelligentes Stromnetz

Temperaturverteilung in einem typischen Rechenzentrum

Temperaturverteilung in einem typischen Rechenzentrum

Trend 5: Intelligentes Stromnetz

Schematischer Aufbau eines intelligenten Stromnetzes

Schematischer Aufbau eines intelligenten Stromnetzes

Während bislang noch Stromnetze mit zentraler Stromerzeugung in Form von Kraftwerken und Pumpspeicherkraftwerken weltweit dominieren, geht der Trend hin zu dezentralen Energieerzeugungsanlagen. Letzteres führt zu einer wesentlich komplexeren Struktur im Bereich der Lastregelung, um die Netzstabilität aufrecht zu erhalten – siehe auch Artikel SAP UC 2009: Stromzähler 2.0.

Schon bei der Errichtung von Gebäuden ist darauf zu achten, dass beim anschließenden Betrieb so wenig wie möglich Energie verbraucht wird. Bei Bürokomplexen dominieren nach wie vor noch riesige Glasfassaden, so dass im Winter kräftig geheizt und im Sommer aufwändig gekühlt werden muss. Sinnvoller ist dagegen die großflächige Platzierung von Photovoltaik-Modulen, die ihre elektrische Energie lokal ins Stromnetz einspeisen. Damit lassen sich – einen umfassenden Einsatz vorausgesetzt – Spitzenlasten im elektrischen Stromnetz vermeiden. Intelligente Stromnetze setzen auf lokale Energieerzeugung und umfassende Regelung mit IT. Somit lassen sich auch die Leitungsverluste bei der Übertragung der Energie deutlich reduzieren – siehe Artikel Strom ablesen per iPhone.

Das obenstehende Bild zeigt ein Szenario, wie man es sich in Kürze im privaten Umfeld vorstellen kann: Die Solarzellen auf den Häuserdächern speisen elektrische Energie bei Bedarf in das intelligente Stromnetz ein. Dafür erhalten die Bewohner eine Vergütung. Gleichfalls lässt sich die Energie in Akkus speichern und kann bei Bedarf entnommen werden. Die gewonnene Energie steht als Haushaltsstrom oder zum Aufladen der Elektroauto-Akkus zur Verfügung – siehe auch Artikel eCarTec 2009: Zukunft Elektroauto.

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